Rolf Keim

Prof. Dr. Rolf Keim

Forschungsschwerpunkt

  • Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft an der Hochschule Darmstadt


„Studieren mit Kind an der h_da“

Laufzeit: 09/2009 - 02/2011

Angesichts einer hohen Kinderlosigkeit unter Akademikern und Akademikerinnen in Deutschland werden Bildungsinstitutionen wie Hochschulen und Universitäten bezüglich ihrer elternfreundlichen Bedingungen überprüft.
Das von der Frauenbeauftragten initiierte interne Untersuchungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie die Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft erleichtert werden kann. Die Untersuchung konzentriert sich auf Schnittpunkte, bei denen eine „eingeschränkte Studierfähigkeit“, vornehmlich durch Elternschaft, auf die Anforderungen des Bildungssystems treffen. Die Frage ist, welche Maßnahmen, auch im Sinne einer positiven Diskriminierung, zu einer Entlastung der Studierenden mit Kind(ern) beitragen können. Bei der Untersuchung wird großen Wert darauf gelegt, ein Konzept für verbesserte Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Väter und Mütter gleichermaßen ihren Elternaufgaben nachkommen können.

Kurzfristige Ziele:
Bedarfe: Situation von studierenden Eltern und ihre Wünsche zu elternfreundlichen Rahmenbedingungen erheben
Angebote: Bereits vorhandene elternfreundliche Initiativen erforschen
Lücke zwischen Bedarfen und Angeboten in einen Maßnahmenkatalog / ein Konzept einfließen lassen

Langfristige Ziele:
Gelder akquirieren, um erste Maßnahmen des Konzepts „Elternfreundliche h_da“ umzusetzen
Elternfreundliche Rahmenbedingungen ausbauen

Methodisches Vorgehen:
Es wurden eine Bestandsanalyse bestehender Angebote sowie eine standardisierte Fragebogenerhebung, eine Online-Befragung unter Studierenden und leitfadengestützte Experteninterviews durchgeführt. Auf diese Weise konnten sowohl Angebote als auch Bedürfnisse erhoben werden, die Aufschluss über die Bedarfslage notweniger elternfreundlicher Regelungen und Ermöglichungsräume gewähren.
Im Fokus der Erhebungen sind dabei …

  • allgemeine Lebensbedingungen studierender Eltern (Beratung, Wohnen, Betreuung, BAföG usw.) und
  • hochschulinterne Rahmenbedingungen (z.B. studienorganisatorische Regelungen, bestehende Initiativen, Infrastrukturangebote usw.).


Projektleitung: Prof. Dr. Rolf Keim

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Ingrid Erdmann M.A.

Finanzierung: Hochschule Darmstadt (QV-Mittel)

Kooperationen: Seit Juli 2010 ist die Hochschule Darmstadt Mitglied des „Bündnis für Familie“.

Zentrale Ergebnisse – B e d a r f e:
Fragebogenerhebung (Oktober 2009)
Nach einer Fragebogenerhebung unter Erstsemesterstudierenden im WS 2009 liegt der Anteil studierender Eltern an der Hochschule Darmstadt mit 6% etwas über dem bundesweiten Anteil von 5% (19.Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks).
Ein Kinderwunsch unter Erstsemesterstudierenden besteht bei knapp 2/3 (64%) der Befragten. Die Skepsis gegenüber Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Elternschaft und Studium ist jedoch groß.

Handlungsbedarf bezüglich verbesserter Bedingungen zur Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft besteht nach Aussagen Studierender mit Kind besonders in folgenden Bereichen:

  • finanzielle Unterstützung,
  • Informations- und Beratungsstelle,
  • mehr Betreuungsplätze,
  • Notfallbetreuung,
  • Erleichterung des Wiedereinstiegs nach der Babypause,
  • Anpassung der Prüfungsordnung an die Situation studierender Eltern und
  • eine bessere Infrastruktur.


Onlinebefragung Studierender (Juli 2010)
Die Erhebung (n= 809) ergab einen Anteil der Studierenden mit Kind von 6,8 % und vertiefte Einblicke in die Bedürfnisse studierender Eltern.

Befragung von ExpertInnen (Dez. 2009 - Februar 2010)
Studiendekane und Prüfungsausschussvorsitzende erklären, dass Studierende mit Kind nur selten ihre Bedürfnisse z.B. bei Berücksichtigung in Prüfungssituationen äußern. Im Studienalltag würde die Situation studierender Eltern für Lehrende kaum sichtbar und somit kaum kommuniziert. Viele tolerante Studiendekane und Prüfungsausschussvorsitzende berichten, dass sie bisher auf Anfrage für Einzelfälle individuelle Lösungen finden.
Der Beratungsbedarf in Sachen „Studieren mit Kind“ wächst nach Daten des Studentenwerks Darmstadt. Es ist notwendig studierenden Eltern eine zentrale Ansprechstelle innerhalb der h_da zur Verfügung zu stellen und die Vernetzung unter Studierenden mit Kind zu ermöglichen.
Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtigen in Darmstadt (auch die der Hochschul-Krippe: „Krabbelkiste“) decken sich keineswegs mit Vorlesungszeiten.
Zudem werden Eltern von „Landkreiskindern“ bisher bezüglich der Kinderbetreuungskosten benachteiligt.

Zentrale Ergebnisse – A n g e b o t e:

  • Überbrückende finanzielle Unterstützung in Ausnahmefällen durch den „Verein zur Förderung in Not geratener Studierender an der Hochschule Darmstadt e.V.“;
  • Sozialberatung des Studentenwerks;
  • 10 Krippenplätze in der „Krabbelkiste h_da e.V.“;
  • Stundenweise Notfallbetreuung durch „Fluggis Abenteuerland“;
  • Still- und Wickelräume in den Sanitätsräumen jedes Fachbereichs;
  • Seit Juli 2010 ist die h_da Mitglied im Bündnis für Familie Darmstadt. In diesem Netzwerk treffen sich Mitglieder kommunaler Organisationen, um Kooperationen für familienfreundliche Angebote aufzubauen.


Einige abgeleitete Maßnahmen:

  • es wäre sinnvoll eine zentrale Anlaufstelle, ein so genanntes „Familienbüro“ mit beratenden und vernetzenden Aufgaben einzurichten,
  • Zugang zu Informationen könnte über eine Internetseite „Studieren mit Kind“ erfolgen (innerhalb h_da Homepage),
  • ein zu moderierendes Elternnetzwerk könnte Selbsthilfepotentiale unterstützen,
  • Studienbedingungen wie: Prüfungsfristen, Präsenzpflicht, Stundenplanorganisation müssten elternfreundlicher gestaltet werden, eine stundenweise Kinderbetreuung auf dem Campus scheint dringend notwendig, die Hochschule müsste dazu Räume und Personal zur Verfügung stellen.


Kontakt: Prof. Dr. Rolf Keim, 06151/16-38972, Rolf.Keim@h-da.de